Andächtig steigen die Gäste die frei geschwungene, wunderschön geschnitzte Holztreppe ins erste Obergeschoss hinauf. Dabei blicken sie auf die Darstellung der Tuchproduktion, wie sie noch im 18. Jahrhundert üblich war: das Waschen und Trocknen der Wolle, das Spinnen und Weben, das Walken und Tuchscheren sowie schließlich Siegeln der fertigen Stoffe. Oben im Blauen Salon empfangen der Hausherr mit seiner Frau die Gäste und gießen gerade Tee oder Kaffee ins wertvolle Porzellan. Allerdings geschieht dies „nur” auf einem Gemälde aus dem Jahr 1780, das Wilhelm und Theresia Elisabeth Scheibler zeigt.
Die Besucherinnen und Besucher befinden sich in einem der schönsten Gebäude aus der Zeit der Manufaktur und Frühindustrialisierung der Wolltuchproduktion, dem Roten Haus in Monschau. Erbaut vom Feintuchfabrikanten Johann Heinrich Scheibler um 1760 zeigt es verschiedene Epochen der großbürgerlichen Wohnkultur. Das Haus diente nicht nur Wohnzwecken, sondern beherbergte auch Kontor- und Lagerräume sowie im Keller Wollwasch- und Färberräume mit entsprechenden Spülkanälen.
Das Rote Haus, heute Museum, das im Rahmen von geführten Rundgängen zu besichtigen ist, stellt nicht das einzige repräsentative Gebäude der Tuchfabrikanten dar, das in der historischen Altstadt von Monschau erhalten geblieben ist. Allerdings zählt es zu den prachtvollsten. Das enge Fachwerkstädtchen an der Rur in der Nordeifel erlebte die Zeit seiner größten wirtschaftlichen Blüte im 18. Jahrhundert. Hier wurden wertvolle feine Wollstoffe produziert und bis in die Türkei und nach Russland exportiert. Zu den besten Zeiten arbeiteten 4.000 bis 6.000 Spinnerinnen und Heimweber in der Eifel und im Limburger Land als Heimarbeiter für die Firma Scheibler und fanden so ein gutes Zubrot zu den kärglichen Einkünften aus der Landwirtschaft. Als Anfang des 19. Jahrhunderts die maschinelle Produktion sich durchzusetzen begann, strömten Arbeitskräfte in die Stadt auf der Suche nach einem Broterwerb. Doch die schlechte Verkehrslage und die mangelnde Möglichkeit zur Expansion der Betriebe im engen Rurtal ließ die Tuchindustrie allmählich abwandern. Heute erinnert vor allem das Museum Rotes Haus an die ehemalige Glanzzeit der Monschauer Textilproduktion.
Stiftung Scheibler Museum Rotes Haus Monschau
Laufenstraße 10
D 52156 Monschau
Tel.: +49 2472 5071
Fax: +49 2472 9877604
rotes-haus@t-online.de
http://www.rotes-haus-monschau.lvr.de
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