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Industriegeschichte in der Euregio

Die Euregio Maas-Rhein ist eine der ältesten Industrielandschaften Europas. Früher und intensiver als in vielen vergleichbaren Regionen nahmen hier Erfinder und Unternehmer die technologischen und ökonomischen Anregungen auf, die von Großbritannien als dem Mutterland der Industrialisierung ausgingen. Im 19. und 20.Jahrhundert veränderte der unaufhaltsame Prozess der Industrialisierung grundlegend das alltägliche Leben und die berufliche Existenz des Einzelnen. Darüber hinaus hatte er weitreichende Folgen für die sozialen Beziehungen und gesellschaftlichen Strukturen.
Viele der wirtschaftlich entscheidenden Branchen waren auch in der Euregio vertreten: So gab es beispielsweise große Steinkohlenbergwerke in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland; Erzbergbau und Metallverarbeitung boten Tausenden Arbeit; zwischen Euskirchen und Verviers florierte die Wolltuchherstellung; die Industrie der Steine und Erden spielte eine wichtige Rolle; und die Agrarprodukte der ländlich geprägten Gebiete wurden zur Grundlage einer bedeutenden Nahrungsmittelindustrie.

Heute sind weite Bereiche dieser einstigen industriellen Vielfalt Geschichte. Ganze Produktionszweige sind - wie etwa der Bergbau - komplett verschwunden, andere - wie die Tuchindustrie - auf wenige überlebende Betriebe reduziert.

Eines der Ziele des Vereins "Industriemuseen in der Euregio Maas-Rhein" ist es, die Erinnerung an diese über Jahrzehnte wirkungsmächtigen industriellen Traditionen wach zu halten. Allerdings ist, was die euregionale Industriegeschichte angeht, immer noch ein gewisses Informationsdefizit zu konstatieren - die individuelle Kenntniss der in vielerlei Hinsicht gemeinsamen Historie endet nur zu oft an der Grenze zu der jeweiligen Nachbarregion.

Die hier unter dem Stichwort "Industrialisierung" versammelten Beiträge versuchen, dem ein wenig abzuhelfen. Von ausgewiesenen Fachleuten verfasst, geben sie einen knappen, aber informativen Überblick über die Geschichte wichtiger Branchen, und zwar - soweit sinnvoll und möglich - unter Einbeziehung aller Teilregionen der Euregio.

Die zusammenfassenden Darstellungen werden ergänzt durch die kurze Beschreibung ausgewählter Denkmäler des betreffenden Industriezweiges. Die Liste dieser baulichen Relikte einer einst stolzen Geschichte weist durchaus noch Lücken auf; sie ist bewusst auf allmähliche Ergänzung und Erweiterung hin angelegt. Auch ist die Auswahl aus fördertechnischen Gründen vorerst im wesentlichen auf die Regio Aachen beschränkt. Der Verein hofft, sie in Zukunft mit Hilfe möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen auf das Gebiet der gesamten Euregio ausdehnen zu können.

Literatur:
Fehl, Gerhard/Kaspari-Küffen, Dieter/Meyer, Lutz-Hennig(Hrsgg):  Mit Wasser und Dampf. Zeitzeugen der frühen Industrialisierung im Belgisch-Deutschen Grenzraum. Aachen 1991
Fehl, Gerhard/Kaspari, Dieter/Krapols, Marlene:  Umbau statt Abriss. Aachen 1995
Harzheim, Gabriele/Krause, Markus/Stender, Detlef:  Gewerbe-und Industriekultur in der Eifel. Touren zu Denkmälern, Landschaften und Museen. Köln 2001
Rouette; Hans-Karl:  Unterwegs auf den Spuren der Schornsteine in der Euregio Maas-Rhein. Eupen 2008
Ruland, Herbert: 
Zum Segen für uns alle. Obrigkeit, Arbeiterinnen und Arbeiter im deutsch-belgischen Grenzland (1871-1914). Eupen 2000
Schainberg, Hartmut:  Die belgische Beeinflussung der Frühindustrialisierung im Aachener Raum, ca. 1820-1860, Dissertation Trier 2004 - Text online
Stender, Detlef:  Die Region Aachen – Lüttich – Maastricht (Euregio Maas-Rhein). Industriegeschichte und Netzwerke der Industriekultur, in: Walter Buschmann (Hg): Zwischen Rhein-Ruhr und Maas. Pionierland der Industrialisierung. Werkstatt der Industriekultur. Essen 2013, S. 49-67

Redaktion und Kontakt:
Detlef Stender, LVR-Industriemuseum Euskirchen, Tel. +49 2251-1488111, detlef.stender[et]lvr.de

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